Zivilcourage! Her damit. Vergiss Deine höfliche Zurückhaltung, wenn es um die Gesundheit aller geht

Aktualisiert: Apr 26

Werde zum Alltagshelden/in und habe den Mut, Dinge anzusprechen und damit etwas zu bewirken!

Dies ist ein Blog zu einem Thema, das mich gestern persönlich kalt erwischt hat. Auf Grund der derzeitigen Lage mit der Pandemie des Coronavirus bin ich wie viele andere auch mit erhöhter Aufmerksamkeit unterwegs in der Öffentlichkeit.

Gestern musste ich gezwungenermassen einen Supermarkt betreten, da ich bisher nicht zum Hamstern geneigt war.


Dort passierte dann eine Situation, die mich heute diesen Text schreiben lässt, denn das Thema geht uns alle an.


Ich lief also durch diesen sehr grossen Markt, in dem sich 4 Angestellte und 4 Kunden befanden. Zwei von den vier Kunden waren ein Paar und altersmässig etwa in ihren Vierzigern. Ich habe mich zwecks Social-distancing automatisch bereits in einen anderen Gang bewegt, als ich den Mann husten höre und sehe und zwar ohne dass er den Arm, die Hand oder ein Taschentuch dazu benutzt hat. Ich war schon auf dem Rückweg aus dem Geschäft raus, als seine Frau auch noch anfing ebenso ungeniert und in gleicher Manier zu niesen.


Nun lassen wir mal die Diskussion darüber, ob das fair ist oder nicht, dass ich mich frage , ob die vielleicht das Virus nun verbreitet haben oder nicht. Was mich so erschüttert hat war, wie unbedarft Menschen immer noch unterwegs sind, sich nicht an die Regeln halten und dass die Appelle der Regierung offensichtlich völlig an ihnen vorbei gegangen sind.


Und noch ein weiterer Punkt ist mir bewusst geworden: Ich hätte etwas sagen sollen. Man muss die Leute ja nicht gleich anpflaumen, sie haben den "benefit of the doubt" verdient. Aber ich hätte meine Zivilcourage auspacken müssen und den Personen deutlich mitteilen sollen, dass sie bei Husten und Niesen ausserhalb der Wohnung Masken tragen müssen und eigentlich draussen nichts mehr zu suchen haben. Das hat auch überhaupt nichts mit Polizei spielen wollen zu tun, sondern mit solidarischem Verhalten denen gegenüber, die es wirklich nötig haben geschützt zu werden, wie zum Beispiel das arme Personal in dem Laden gestern.


Ich habe mich daher selber hinterfragt und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich in Zukunft den Mund aufmachen werde, wenn ich bemerke, das jemand offensichtlich noch nicht begriffen hat, was zur Zeit die neue Gesundheitsetikette in der Öffentlichkeit bedeutet. Ich werde es freundlich aber bestimmt platzieren, wenn etwas nicht okay ist.

Es ist nicht okay, wenn eine Mutter ihr dreijähriges Kind, das im Supermarkt singend sämtliches offen liegendes Obst und Gemüse antatscht, nicht sofort daran hindert und dem Personal Bescheid gibt, was passiert ist.

Es ist nicht ok, wenn in einer Apotheke zum Schutz der Angestellten Plexiglasscheiben vor die Counter gehängt werden und die Kunden es allen Ernstes fertig bekommen, anstatt wie vorgesehen hinter der Scheibe zu bleiben, zwischen Scheibe und Counter treten, um der Apothekerin direkt ins Gesicht zu atmen.

Es ist nicht ok, sich bei Aldi, Lild oder sonstwem an der Kasse in der Schlange so dicht anzustellen, dass man der Person vorne dran eine Nackenrasur verpassen könnte.

Es ist nicht ok, dass man behauptet, man sei kerngesund, bloss weil man gerade keine Symptome verspürt. Das gibt zwar Grund zur Hoffnung, aber beweisen tut das gar nichts, Du kannst Träger und Verteiler sein ohne es zu merken.

Es ist nicht ok, wenn Du als Nanny arbeitest und vorletzte Woche noch ins Südtirol zum Wellnesswochenende gefahren bist.


Und während ich das hier schreibe, sehe ich aus meinem Fenster und sehe eine ganze Horde Kinder draussen spielen, deren Eltern offensichtlich nicht verstanden haben, dass die Schliessung der Schulen dem Zweck dienen sollte, die Kinder voneinander zu trennen. Alle Eltern wissen, dass die lieben Kleinen jeden Mist mit nach Hause bringen, sobald sie im Kindergartenalter sind. Man kann von ihnen schlicht nicht verlangen, sich nicht nahe zu kommen, es sei denn man übernimmt Verantwortung und unterstützt sie in Zeiten wie diesen indem man die Nähe konsequent unterbindet.


In diesem Sinne wünsche ich uns allen den Mut zur Zivilcourage und unserer Regierung, dass die Hinweise endlich von allen wahr und ernst genommen werden.

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© 2019 by Tatjana Ricciardi