Was haben Mogli, Jack Reacher und Herr und Frau Meyer gemeinsam?

Aktualisiert: Apr 10

Eine grosse mediale Reichweite und eine miese Hypnose Erfahrung



Alle drei haben seltsame Erfahrungen mit Hypnose gemacht und weil jeder von uns mindestens eine dieser Geschichten kennt, gibt es Vorbehalte gegenüber dieser wertvollen Therapieform.

Diese Skepsis begegnet mir regelmässig bei meiner Arbeit und ist völlig verständlich. Die negativen Assoziationen entstehen durch genau solche Beispiele.


Mogli muss die Schlange Kaa an ihrer bösen Absicht hindern, ihn mit den drehenden Augen zu hypnotisieren. Jack Reacher ist ein Romanheld, teils verfilmt mit Tom Cruise in knallharten Actionfilmen, der bei seinen Abenteuern auf einen Mörder trifft, der seine Opfer unter Hypnose zum Selbstmord treibt.

Herr und Frau Meyer stehen stellvertretend für alle die Menschen, die sich in Fernsehshows oder in Youtube Videos unter Show-Hypnose zum Hirsch machen, weil sie im Entengang den Macarena tanzen.


Ich würde Dir gern einen Teil Deiner gesunden Skepsis gegenüber therapeutisch angewendeter Hypnose nehmen und an Hand von „Real Life“ Szenarien darlegen.Es gibt genau drei Vorbehalte, die ich abschwächen möchte.

Die Themen heissen Kontrollverlust, Willenlosigkeit und Peinlichkeit.


Kontrollverlust unter Hypnose:

Stell Dir folgende Situation vor. Du befindest Dich in einer Hypnosesitzung, Du kennst den Ablauf noch nicht und bist gespannt. Bisher hattest Du ein Vorgespräch und liegst nun bequem auf einer Liege, die Stimme der Therapeutin (gehen wir mal davon aus, dass Du Dich bei mir in die Behandlung begeben hast) begleitet Dich in einen entspannten Zustand, Du hast die Augen geschlossen und fühlst Dich so, als ob Du gerade im Urlaub am Strand in der warmen Sonne liegst und mit dem Geräusch der Wellen am Eindösen bist.

Plötzlich höre ich mitten im Satz auf zu sprechen und gleite ganz leise und elegant aber ohnmächtig von meinem Stuhl, schlage auf dem Boden auf und mache keinen Mucks mehr.

Du hast immer noch die Augen geschlossen. Was glaubst Du wird in den nächsten Minuten passieren? Wirst Du in Deiner Entspannung bleiben und Stunden später vom Toilettendrang zum Aufstehen gezwungen und stellst überrascht fest, dass die Therapeutin ohnmächtig am Boden liegt? Oder wirst Du nach kurzer Zeit einfach die Augen öffnen und bemerken, dass Deine Hilfe gebraucht wird.

Ist klar, oder?


Willenlosigkeit unter Hypnose:

Stell Dir folgende Situation vor. Du befindest Dich in derselben Situation wie bereits oben beschrieben. Du folgst der therapeutischen Stimme, die Dir den Strand beschreibt, Du fühlst Dich wohl. Plötzlich wechselt das Thema und man sagt Dir, dass Du, wenn die Sitzung beendet ist, per sofort Haus und Hof und Deine Lieblingstopfpflanze überschreibst und dem/der Therapeut/in ausserdem Deine Autoschlüssel samt Gefährt zur sofortigen Nutzung überlässt.

Was wird wohl passieren?

Richtig. Natürlich wirst Du sofort begreifen, was da passiert, der Person mindestens einen Vogel zeigen und gehen. Keine Frage.


Peinlichkeit unter Hypnose:

Stell Dir folgende Situation vor. Du wirst auf der Strasse angesprochen, ob Du Dich hypnotisieren lassen möchtest und das ganze gefilmt und ins Netz gestellt werden darf. Du weisst nicht, was mit Dir passieren wird und ob es Dir gefallen wird oder nicht. Dir ist der/die Hypnoseanwender/in völlig unbekannt und es stehen bereits Schaulustige herum und beobachten Dich neugierig. Abgesehen davon ist eine Kamera und ein Mikrofon auf Dich gerichtet. In Sekundenbruchteilen rufst Du alle Informationen ab, die Dir über Hypnose bekannt sind und Dir fällt ein, dass Du, wenn es dumm geht, gleich im Entengang den Macarena tanzen wirst und das für immer und ewig im Internet zu sehen sein wird, für Deine Familie, Arbeitskollegen, zukünftige Vorgesetzte und Freunde.

Wie fühlst Du Dich damit? Und jetzt kommt der Knackpunkt, denn es gibt nur zwei Kategorien. In welche gehörst Du?

Entweder Du sagst Dir „Halleluja, mehr als diese 30 Sekunden Ruhm und Öffentlichkeit werde ich nie erreichen, das ist besser als nix, das will ich, das finde ich lustig und mein Umfeld wird es lieben“.

Oder Du gehörst zu denen, die das schlicht Ablehnen, den Kopf schütteln und sich sagen, dass das so nie und nimmer passieren wird, weil es Dir unangenehm wäre.

Wenn Du zur zweiten Kategorie gehörst, wirst Du unter Hypnose niemals etwas zulassen, was Dir peinlich wäre. Die Leute, die Du in Videos oder Shows gesehen hast, gehören schlichtweg in die andere Gruppe. Jedem das seine.


Und nun ein wirklich wichtiger Hinweis. Die Hypnose im therapeutischen Kontext soll Dir zu Deinem Thema den grösstmöglichen Nutzen bringen und das letzte was wir Therapeuten gebrauchen können, sind Klienten, die mit einem unguten Gefühl nach Hause gehen. Dann können wir gleich einpacken.


Mein Ziel sind Klienten, die aus dem Coaching rausgehen und sich sicher sind, dass sie weder Zeit noch Geld verschwendet haben, sondern wirklich etwas gewonnen haben. Nur so macht mir meine Arbeit wirklich Freude.

Vielleicht hat Dir dieser Blogbeitrag nun schon eine wichtige Erkenntnis gebracht: Du weisst jetzt, in welche Kategorie Du gehörst und was Du von einem Coach erwarten würdest. Das ist ein guter Start.

Hypnosystemisches Coaching, Hypnose, Entspannung, Stressbewältigung, Burnout, Gesprächstherapie, Hilfe, Unterstützung, Beratung

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© 2019 by Tatjana Ricciardi