Furcht, Angst und Panik - wer soll Dein Berater sein?

Panik-Pandemie aus therapeutischer Sicht


Was ist der Unterschied zwischen gewöhnlicher Angst und Panik? Welche Auswirkungen hat das auf Dein Verhalten und Deine Gesundheit?

Angst ist ein natürlicher Zustand. Er entsteht auf Grund einer Bedrohung und löst Stress aus. Die Bedrohung kann physischer Art sein, ebenso psychologisch, emotional oder auch finanziell. Egal was davon zutrifft, das Ergebnis ist das, was wir allgemeinen als Stress bezeichnen.

Stress führt zu einer Schwächung des Immunsystems. Dies entsteht dadurch, dass zum Beispiel der Cortisol- und der Adrenalinspiegel steigen, was zur Veränderung weiterer Hormonspiegel im System Körper führt, da wären der Insulinspiegel und der Glukagonspiegel erwähnenswert. Was bedeutet das konkret in Deinem Körper? Dein Herz pumpt schneller, die Atmungsfrequenz erhöht sich und entzündliche Prozesse werden befeuert. Deine Verdauung verschlechtert sich, weil Dein System im „Fight-and-Flight-Modus“ darauf eingestellt ist, schneller wegrennen zu können, da ist es eher ungünstig, wenn man vorher noch aufs WC muss. Deine Handlungsfähigkeit ist fokussiert auf Rennen oder Kämpfen als Massnahme, daher ist Deine Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt, Du willst ja nicht mit dem Angstgegner beim Kaffeeklatsch Nettigkeiten austauschen. Insgesamt sind Deine Sinne geschärft auf das Nötigste zum Überleben und alles andere wird ausgeblendet.

Merke: Im Stadium der Angst bist Du hochaufmerksam, Du bist spontan handlungsfähig und Deine Intuition führt Dich höchstwahrscheinlich in angemessener Weise zu Massnahmen.


Im Gegensatz dazu Steht der „Panik-Modus“


Panik ist eine plötzliche und völlig unkontrollierbare Sorge, die einher geht mit dem Gefühl von Machtlosigkeit, von „alles-ist-unvorhersehbar“ und totalem Kontrollverlust.

Darum führt Panik zu einem Verhalten, dass irrational und nicht vorhersagbar und geprägt von hilflosem Aktionismus ist.

In diesem Zustand sind Handlungen nicht mehr zielführend und besonnen, sondern kopflos und tendentiell schädlich für alle Beteiligten. Da entsteht keine wirksame Schutzstrategie, sondern Chaos. Ungefähr so als würde man bei einem physischen Angriff direkt aus der Deckung in die Schusslinie rennen, um ins nächste Versteck zu gelangen. Das macht einfach gar keinen Sinn mehr.


Panik ist also assoziiert mit schnellem Feuern von unkontrollierbaren Gedanken.

Was kannst Du nun in Zeiten wie diesen als praktikable Massnahme tun, um Dich zu coachen?

Die erste Empfehlung basiert auf der Erkenntnis, dass Atmung und Stress miteinander korrelieren. Schnelle unkontrollierbare Gedanken lösen eine erhöhte, flachere Atmung aus. Die Gedanken in den Griff zu bekommen ist schwierig. Also ist ein Beruhigen der Atmung das einfachere Mittel der Wahl. Atmen kann jeder und sich darauf konzentrieren auch. Deine Ausatmung sollte länger dauern als Deine Einatmung Vielleicht hilft es Dir, wenn Du innerlich beim Einatmen auf vier und beim Ausatmen auf sieben zählst. Unterstützend dabei kann beruhigende Musik helfen oder wenn Du ein Naturmensch bist, der Spaziergang draussen. Ebenfalls gibt es viele kostenlose Videoanleitungen zu Thema Atmung im Netz.


Die zweite Empfehlung ist eine Bewusstseinsschärfung von Körperreaktionen auf Stress. Stress kann sich unter anderem in Kopfdruck oder typischerweise Bauchweh äussern. In dem Moment wo Du diese Körperzeichen bewusst wahrnimmst und sie wertfrei akzeptierst, werden die Stresshormone bereits gesenkt. Du zeigst Deinem System augenblicklich, dass Du die Symptome zwar hast, aber gleichzeitig realisierst, dass Du nicht Deine Symptome bist. Du bist definitiv mehr als das und dass nimmt Deinen Symptomen die Macht.


Die dritte Empfehlung ist die Beobachtung Deiner inneren Dialoge. Hör Deinen Gedanken einmal zu und nimm wahr, ob sie positive oder negative Geschichten hervorbringen. Diese inneren Geschichten sind quasi Selbsthypnosen mit durchaus wirksamem Potential. Wenn die Geschichte negativ ist, erlaube Dir selber, Dich so als wärst Du Dein eigenes liebevolles Elternteil, zu unterbrechen und Dich zu hinterfragen, ob Dir jetzt in diesem Moment die Geschichte hilfreich ist und ob Du jetzt in diesem Moment irgendetwas ändern kannst. Frage Dich, ob diese Geschichte tatsächlich zu 100% wahr ist. Wie würde die positive Umkehrung Deiner negativen Geschichte konkret aussehen.

Diese Observierung und Analyse Deiner inneren Selbstgespräche führt automatisch zu einer Beruhigung Deines Systems. Der Fokus verschiebt sich vom in der Geschichte gefangen sein hin zur Beobachterrolle. Das ist der viel gesündere Blickwinkel für Dich.


Alle Empfehlungen laufen auf dieses eine Ziel hinaus, Entspannung des überbelasteten Geistes und Körpers zu kreieren. In diesem wünschenswerten Zustand kannst Du die besseren Entscheidungen treffen. Oder auch leichter die Akzeptanz entwickeln, dass Du in diesem Moment überhaupt nichts entscheiden oder tun kannst, weil es die Umstände nicht zulassen. Manchmal ist das sogar die wertvollere Erkenntnis. Und wenn Du schon nichts tun kannst, weil der Zug schon rollt, dann ist es sinnvoller nicht kopflos bei voller Fahrt rauszuspringen sondern Dich selber zu Stärken und all Deine Kräfte zu sammeln für den richtigen Zeitpunkt.


Aus therapeutischer Sicht ist eine Panik-Pandemie also ungesund und schädlich für Körper, Geist und Seele. In diesem Sinne wünsche ich uns allen Gelassenheit und Hoffnung als positive Energieverstärker und Immunsystembooster, da wir die zur Zeit dringend nötig haben.

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© 2019 by Tatjana Ricciardi