Du glaubst, Du warst noch nie in Trance?

Aktualisiert: Mai 1

Und wie Heuristiken unser Handeln in und nach der Krise beeinflussen können

Bist Du schon einmal Auto gefahren und hast Dich im Nachhinein gefragt wie Du ans Ziel gekommen bist, weil Du Dich gar nicht erinnerst wie die Fahrt im einzelnen war? Meist erschreckt man sich, wenn man sich so ertappt hat und fragt sich wie man das gemacht hat.

Diesen Zustand nennt man eine Trance. Wach und noch handlungsfähig, aber gleichzeitig auf Autopilot gestellt. Das ist genauso wie der Moment kurz nach dem Aufwachen, wo Du noch gar nicht richtig da bist, auch das ist ein Trancezustand. Den Kaffee macht man quasi noch im Halbschlaf, aber gelingen tut es.

Interessant wird das Thema Trancen bei Werbung und Marketing: Die menschlichen Gehirne können beeinflusst werden durch stetige Reize, die mit Emotionen verbunden sind. Also zum Beispiel „Kaufe Dir Freiheit, wir geben Dir das Motorrad umsonst dazu“. Wenn Du Dich davon angesprochen fühlst und es nur oft genug hörst und siehst, dann fällst Du in eine „Kauftrance“, die Dir unendliche Freiheit verspricht, wenn Du nur dieses eine Bike besitzt und Du wirst alles dafür tun, diesen Kauf möglich zu machen, inklusive Leasingschulden. So stark wirken diese Trancen.


Wie wird es sich also mit der "Massentrance" in Bezug auf die Abstandsregeln wegen des Coronavirus verhalten? Wochenlang wurde und wird den Menschen nun auf allen medialen Kanälen und im öffentlichen Raum eingebleut, dass naher Kontakt zu Menschen eine tödliche Gefahr werden kann.


Es geht hier nicht darum, diese Massnahme als gut oder schlecht zu bewerten, aber faktisch ist diese ständige Erinnerung an den Sicherheitsabstand so etwas wie eine Massentrance. Der Effekt zeigt sich in den Zahlen, verminderte Bewegungen der Bevölkerung an Ostern und natürlich der konsequente Rückzug von allen Kontaktorten und seit Lockerung der Massnahmen trotzdem eine grosse Zurückhaltung bei den Terminbuchungen. Die Ärzte haben leere Praxen und Coiffeure und Massagepraxen werden nur mässig frequentiert. Die Angst sitzt und wirkt.


Wenn also langsam eine Rückkehr zu Normalität beginnen soll, wann werden die Leute wieder mutig werden und zum Coiffeur, zur Massage oder Kosmetik gehen?

Der Mensch reagiert auf Entscheidungsfragen auf Grund von Urteilen, die er fällt. Zur Urteilsentstehung werden Heuristiken verwendet, zum Beispiel eine Verfügbarkeitsheuristik. Das sind Informationen, die schnell und leicht aus dem Gedächtnis abgerufen werden können, leicht verfügbare Infos. Wie wird also eine Person derzeit entscheiden, ob der Coiffeurtermin oder die Massage eine gute Idee ist? Welche Info wird wahrscheinlich als erstes im Gedächtnis auftauchen? Die aktuelle Version im Gehirn der Menschen hat als emotionsgeladene Information folgendes an "Daten" zur Verfügung:

- Der nahe Kontakt ist gefährlich.

- Das Virus ist immer noch da.

- Abstand bedeutet Sicherheit.

Die Leit-Emotion dahinter ist die Angst und die wollen wir immer alle gern vermeiden, das ist unsere Natur. Sicherheit geht vor. Aus diesem Grund ist es wahrscheinlich, dass alle Branchen mit körpernahen Kontakten einen beschwerlichen Weg zurück zur normalen Geschäftstätigkeit erwarten müssen. Das Vertrauen muss erst wieder wachsen. Es gibt eine Faustregel, die besagt, so lange wie es sich aufgebaut hat, so lange dauert es auch, um wieder zu verschwinden.


Die Hauptaufgabe für uns alle, die mit Menschen arbeiten, ist also die Vertrauensbildung in den nächsten Wochen. Je nach Beruf geht es darum, die nötigen Schutzmassnahmen zu ergreifen und eine grösstmögliche Sicherheit oder zumindest eine Gefühl davon zu erschaffen, damit der Boden für das Vertrauen bereitet werden kann. Es wäre ebenso wünschenswert, dass die Öffentlichkeit mit den gleichen medialen Mitteln wie bisher von der Angsttrance und dem Bedrohungsgefühl hingeführt würde zu einer hoffnungsvollen und sicheren Heuristik. Wie wäre es also einmal mit positiven Nachrichten? Nur dann werden Urteile und Entscheidungen gefällt, die aus einem guten Gefühl heraus entstehen. Und das dient uns allen für uns und unser Miteinander und das nicht nur im Dienstleistungsbereich sondern in allen Lebensbereichen.


Auf das Grossmütter und Enkel sich bald wieder angstfrei begegnen können. Umarmungen stärken das Immunsystem, denn sie zeigen einem Menschen unmissverständlich, dass er oder sie etwas bedeutet.



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